Porträt des Wanderfalken18 Wanderfalke2

(Text SVS Birdlife)

Weltenbummler
Der Wanderfalke hat jeden Kontinent mit Ausnahme der Antarktis erobert. Trotz seiner enormen geografischen Verbreitung gehört er in der Schweiz mit 300 Brutpaaren zu den potenziell gefährdeten Arten.

Pfeilschneller Jäger
Im normalen Flug erreicht der Wanderfalke Geschwindigkeiten von 40 bis 60 km/h. In der Jagd im Flachstoss nähert er sich dem Beutevogel schnell von hinten und nutzt den toten Winkel als Überraschungsmoment. Dabei erreicht er bis zu 100 km/h. Im Stossflug stürzt er sich aus grosser Höhe und spitzem Winkel mit angewinkelten Flügeln auf seine darunter fliegende Beute mit atemberaubenden 300 km/h und tötet seine Beute manchmal schon durch die pure Wucht des Aufpralls. Dennoch sind bloss etwa 7% seiner Angriffe von Erfolg gekrönt.
Felswände als Brutplatz und ausreichend Nahrung
Der Wanderfalke stellt keine grossen Ansprüche an seinen Lebensraum. Er fühlt sich in Gebieten mit hohen Warten, Felswänden als Brutplätze, freiem Luftraum und vielen Vögeln wie Tauben, Möwen, Drosseln als Nahrung wohl. Über 210 Vogelarten können dem Wanderfalken in Europa als Beutetiere zugeordnet werden. Für die Brut scharren die Wanderfalken bloss eine kleine Mulde in den Untergrund kleiner Felshöhlen oder -nischen. Teilweise bewohnen sie Nester anderer Felsbrüter, selten Baumnester anderer Greifvögel. Das Weibchen legt ab Mitte März 3-4 rostbraune Eier, welche beide Partner in circa 30 Tagen ausbrüten. 5-7 Wochen bleiben die Jungen im Nest und werden danach noch 3-4 Wochen von den Eltern geführt.

Neue Bedrohungen
Wanderfalken waren um 1950 in ihrem Bruterfolg durch das Pestizid DDT und der damit einhergehenden Abnahme der Eierschalendicke betroffen. Glücklicherweise konnten sich der Bestand des Wanderfalken nach dem Verbot von DDT in der Landwirtschaft ab 1971 wieder erholen. Dies aber auch nur, weil es gelang, auch die übrigen Gefährdungen wie Abschuss (Taubenzüchter), Aushorstung und Eierdiebstahl (Falkner) durch Bewachung der Nester rund um die Uhr und Aufklärung zu unterbinden. So hatte sich der Bestand bis vor einem Jahrzehnt erfreulich erholt.

Nun gibt es aber neue Gefährdungen: Taubenzüchter präparieren weniger wertvolle Tauben mit Gift, an welchem der Wanderfalke beim Rupfen der Taube stirbt. Windenergieanlagen in der Nähe von Horsten führen zu Schlagopfern. Gegen beides wehrt sich BirdLife Schweiz aktiv und verlangt die Verurteilung der Täter und genügend Abstände von Windanlagen zu Brutgebieten des Wanderfalken. Für städtebewohnende Wanderfalken stellen vor allem Kollisionen mit Glasfassaden oder Stürze in Schornsteine von Jungtieren eine Gefahr dar. Auch dagegen können Massnahmen ergriffen werden, indem weniger spiegelndes Glas oder Glas mit einer Musterung verwendet wird und Kamine mit einem feinen Gitter zugedeckt werden. Der Uhu, sein natürlicher Feind, hat sich zudem in den letzten Jahren gut entwickelt. Wanderfalken brüten nicht in Felswänden mit Uhubruten. Heutzutage genügend ungestörte Felswände zu finden, ist aber mit dem wachsenden Druck durch Erholungssuchende nicht einfach. Somit droht die Art wiederum auf der Roten Liste zu landen.

Leben im Siedlungsraum
In der Schweiz brütet der Wanderfalke auch an hohen Bauten wie Industrieanlagen oder hohen Bürogebäuden. Durch das Anbringen von Nistkästen an hohen Bauten kann eine Ansiedlung gefördert werden. Von der Anlage von begrünten Dächern und Fassaden und naturnahen Pärken im Zuge des Bauens im Klimawandel, profitieren auch viele Vogelarten, womit auch das Nahrungsangebot für den Wanderfalken steigt.

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